Drei Berge, drei Burgen, neun Kilometer südöstlich von Gotha und fünf Kilometer nordwestlich von Arnstadt: Mühlburg, Burg Gleichen und Veste Wachsenburg. Sie entstanden zwischen dem achten und dem elften Jahrhundert, hatten nie dieselben Besitzer und sehen einander nicht ähnlich — und heißen trotzdem seit einer Gewitternacht des Jahres 1231 „die Gleichen“. Nach ihnen ist das Schlaraffenreych Zu den drey Gleichen (432) benannt.
Die Mühlburg — das älteste erhaltene Bauwerk Thüringens
Die Mühlburg über dem Dorf Mühlberg ist die älteste der drei und gilt als das älteste erhaltene Bauwerk Thüringens. Sie liegt auf 376,5 Metern im südöstlichen Höhenzug des Ensembles.
Ihr Name führt zurück in die Urkunde vom 1. Mai 704, mit der der thüringische Herzog Hedan II. dem Bischof Willibrord von Utrecht Güter schenkte. Genannt wird darin ein castellum Mulenberge neben dem Ort Mulenberge — dem heutigen Mühlberg. Ob dieses Kastell schon an der Stelle der heutigen Burg stand, ist in der Forschung nicht entschieden; die Urkunde selbst ist nur als Abschrift der Mönche von Echternach im Liber Aureus Epternacensis aus dem späten zwölften Jahrhundert erhalten. Aufbewahrt wird diese Abschrift heute in der Handschriftenabteilung der Forschungs- und Landesbibliothek im Schloss Friedenstein in Gotha.
Was danach kommt, ist gut bezeugt:
- 1088 — Kaiser Heinrich IV. belagert die Mühlburg, gleichzeitig mit der Burg Gleichen gegenüber, und zieht in beiden Fällen erfolglos ab.
- 1130 — die Burg gelangt an das Erzbistum Mainz.
- 1211 — Graf Meinhard III. von Mühlburg reist als Brautwerber nach Ungarn und geleitet die vierjährige Elisabeth von Ungarn zur Wartburg. Von dieser Burg führt damit ein Faden nach Eisenach.
- 1220 — dieselbe Familie erwirbt die Wachsenburg; damit gehören zwei der drei Burgen für eine Zeit zusammen.
- 1357 — die Stadt Erfurt kauft die Mühlburg und sichert damit die Kupferstraße, einen ihrer wichtigen Handelswege.
- 1521 — der Schlosshauptmann der Mühlburg begleitet Martin Luther zum Reichstag nach Worms.
Vom Bau steht der Bergfried: 22 Meter hoch, mit 2,7 Meter starken Wänden. Zwischen 1903 und 1907 wurde er zum Aussichtsturm ausgebaut — wer hinaufsteigt, sieht die beiden anderen Burgen und dazu, bei guter Luft, den Thüringer Wald. Erhalten ist außerdem die Radegundis-Kapelle; zu ihr zieht am Sonntag nach dem 13. Erntemond — dem August — eine Prozession hinauf.
Und die Literatur hat der Mühlburg einen Platz gegeben: Gustav Freytag machte sie zum Schauplatz seines Romans „Das Nest der Zaunkönige“. Der Wanderweg, der heute alle drei Burgen verbindet, trägt deshalb seinen Namen.
Die Burg Gleichen — die Burg, die brannte
Die Burg Gleichen bei Wandersleben liegt auf 369,6 Metern im nordwestlichen Höhenzug. Sie gab dem Ensemble den Namen — und sie ist die Burg, in der die Sage ihren belegten Kern hat.
Erstmals genannt wird sie 1034 in den Annalen des Klosters Reinhardsbrunn als „Gliche“. Archäologisch reicht der Ort weiter zurück: Unter der Burg liegt eine Siedlungsschicht aus dem frühen achten Jahrhundert. Die Lage war kein Zufall — die Burg beherrschte die Via Regia, die alte Königsstraße von Westen nach Osten. 1088 belagerte Heinrich IV. auch sie, ab dem 14. Erntemond jenes Jahres, und zog unverrichteter Dinge ab.
Am 31. Wonnemond 1231 — dem 31. Mai — schlug ein Blitz ein, und die Burg brannte. Der Palas mit seinen hölzernen Zwischendecken wurde zerstört; der Wechsel im Mauerwerk des Obergeschosses zeigt es bis heute. Auch die von meterdicken Mauern geschützte Wohnstube im Bergfried brannte aus. Das ist das belegte Ereignis. Dass in derselben Nacht alle drei Burgen brannten und einander darin gleich wurden, erzählt die Sage — und aus dieser Sage kommt der Name.
Vom Bergfried stehen noch 18,85 Meter, mit Buckelquadern aus der Zeit der Staufer. Die Ruine ist heute Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
Die Burg Gleichen hat noch eine zweite Geschichte, und die ist berühmter als jede Belagerung: die Sage vom zweibeweibten Grafen. Sie steht auf einer eigenen Seite.
Die Veste Wachsenburg — die einzige, die noch ganz ist
Die Veste Wachsenburg bei Holzhausen ist mit 420,8 Metern die höchste der drei und die einzige, die nicht Ruine wurde. Sie liegt rund fünf Kilometer westlich von Arnstadt.
Ihre ersten Bauten gehen auf die Zeit um 930 zurück und auf die Reichsabtei Hersfeld; urkundlich erscheint sie 1140. 1220 kam sie an die Grafen von Mühlburg. 1905 wurde sie um den dreißig Meter hohen Hohenlohe-Turm erweitert — kein mittelalterlicher Bau, sondern ein Zeugnis der Burgenromantik.
Am 4. Ostermond 1945 — dem 4. April — besetzten amerikanische Truppen die Veste. Dort trafen sich in jenen Tagen die Generäle Patton und Eisenhower. Seit 2001 ist die Burg in Privatbesitz und wird als Hotel und Restaurant genutzt; sie ist damit die einzige der drei, in der man übernachten kann.
Geopark, Schutzgebiet und ein Uhu im Fels
Die drei Burgen sind das Wahrzeichen des Thüringer Burgenlandes. Seit 1960 stehen sie samt ihrer Umgebung unter Landschaftsschutz, und heute liegen sie im UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg — Drei Gleichen. Der Gustav-Freytag-Wanderweg verbindet alle drei; er ist der beste Weg, das Ensemble zu verstehen, weil man die Entfernungen dabei in den Beinen hat.
Für Schlaraffen kommt ein Umstand hinzu, den man sich nicht besser ausdenken könnte: Im Naturschutzgebiet Röhnberg rund um die Burg Gleichen brütet der Uhu. Das Wappentier unseres Bundes sitzt am Namensgeber unseres Reyches — nicht als Sinnbild, sondern als Vogel.
Und die Sage vom Blitzschlag als Fest
Seit 2002 wird die Legende als Open-Air-Spektakel mit einer Pyro-Show inszeniert, in der die drei Burgen wieder zu drei Fackeln werden. Die Veranstaltung trägt den Namen DREI(N)SCHLAG® — seit 2001 eine geschützte Wortmarke des Fördervereins Thüringer Burgenland Drei Gleichen e. V. Aufgeführt wurde unter anderem 2023; die nächste Aufführung ist für 2027 angesetzt, die große für den Spätsommer 2031, wenn die Legende auf achthundert Jahre zurückblickt. Die Sage darf jeder erzählen — der Name des Festes gehört dem Veranstalter.
Die Angaben dieser Seite sind einzeln nachgewiesen, überwiegend aus den Darstellungen zu den drei Burgen und aus den Veröffentlichungen des Fördervereins Thüringer Burgenland Drei Gleichen e. V. sowie des Geoparks. Offen bleibt, ob das in der Urkunde von 704 genannte castellum Mulenberge an der Stelle der heutigen Mühlburg stand; die Forschung hat das nicht entschieden. Bilder der Burgen zeigen wir auf dieser Seite nicht, solange die Rechte nicht geklärt sind — eigene Aufnahmen unserer Sassen sind der sichere Weg, und sie kommen nach. Stand: September 2026.